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Am Ewigkeitssonntag, dem letzten Sonntag im Kirchenjahr, denkt die Gemeinde an die Menschen, die im vergangenen Jahr gestorben sind. 2026 fällt er auf den 22. November. Viele kennen ihn auch als Totensonntag. Bei uns läuft er so ab: Gottesdienst mit Namensverlesung, dabei werden Kerzen angezündet, und danach spielt meistens der Posaunenchor noch auf dem Friedhof.
Für dich vor der Orgel ist das einer der stillsten Sonntage im Jahr. Ich halte mich an diesem Tag meistens sehr ruhig und getragen. Welche Orgelstücke ich zum Ewigkeitssonntag spiele und wo ich bewusst gar nichts spiele, habe ich hier zusammengeschrieben.
Kurz zusammengefasst: Orgelstücke zum Ewigkeitssonntag
- Während der Namensverlesung keine Musik: Der Moment lebt von Stille, Kerzen und einer einzelnen Glocke.
- Grundton ruhig und getragen. Mit Posaunenchor darf es auch mal kräftiger werden.
- „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ ist musikalisch wunderschön, der Text braucht heute aber eine Erklärung.
- Sehr leicht und kostenlos: Vorspiele aus dem Dorforgelbüchlein von Jonathan Beyer (mit Pedal), z. B. zu „Nun ruhen alle Wälder“ und „Von guten Mächten“.
- Wenn du jemanden mit Flöte, Oboe oder Trompete kennst: Dieser Sonntag ist ein schöner Anlass, mal zu fragen.
Während der Namensverlesung: Stille statt Musik
Das ist für mich der wichtigste Punkt an diesem Sonntag. Wenn die Namen verlesen und die Kerzen angezündet werden, spiele ich nichts. Keine leise Improvisation, kein Hintergrund. Dieser Moment gehört den Namen und den Menschen, die in der Kirche sitzen. Außerdem wird bei uns noch eine Glocke geläutet.
In vielen Gemeinden ist das ohnehin so üblich. Wenn es bei dir bisher anders läuft, lohnt es sich, darüber nachzudenken und die Stille ganz bewusst zu inszenieren. Sprich das mit der Pfarrerin oder dem Pfarrer ab, und frag auch gleich, wie es danach weitergeht, damit du weißt, wann du wieder dran bist.
„Wachet auf, ruft uns die Stimme“: schöne Musik, schwieriger Text
Bei diesem Lied bin ich ehrlich gesagt hin- und hergerissen. Musikalisch finde ich es sehr schön, und es gibt unheimlich viele Choralvorspiele dazu, darunter richtig schöne. Mein Tipp: Schau bei der Auswahl auch darauf, was deine Orgel hergibt. Empfehlen kann ich zum Beispiel die Bearbeitung von Robert Jones aus dem Heft Adeste Fideles. Noten bei Stretta* Die funktioniert aber nur richtig gut, wenn du zwei Manuale hast und die Melodie auf einem eigenen Manual spielen kannst.
Womit ich mich schwertue, ist der Text. Ich glaube, die wenigsten Menschen, die heute in die Kirche kommen, können mit ihm noch etwas anfangen. Trost spendet er eigentlich nicht. Und leicht zu singen ist das Lied auch nicht. In einer Fortbildung haben mal alle gesagt: Das ist doch das Lied zum Ewigkeitssonntag. Kann man so sehen. Mit der Gemeinde singen kann man es natürlich, keine Frage. Dann finde ich aber, gehört eine Erklärung dazu. Die Pfarrerin oder der Pfarrer sollte es in den Gottesdienst einbinden und sagen, warum wir es singen und was der Text bedeutet. Selbstverständlich ist das heute nicht mehr.
Als Instrumentalstück dagegen kann die Melodie ganz für sich wirken.
Ruhig, aber nicht immer leise
Grundsätzlich halte ich mich an diesem Sonntag sehr ruhig und getragen. Wie du dafür registrierst, steht im Artikel Orgel registrieren für Anfänger, dort bei der meditativen Registrierung.
In einer meiner Gemeinden spiele ich am Totensonntag zusammen mit dem Posaunenchor. Da traue ich mich auch, ein bisschen lauter zu werden. Ruhig, aber laut. Gerade überlege ich, als Eingangsstück die Introduction-Choral aus der Suite gothique von Léon Boëllmann zu nehmen, und zwar nur als Eingang. Ob das passt, ist für mich eine Gefühlssache, ich bin selbst noch am Überlegen.
„Von guten Mächten“: zwei Melodien, beide haben ihren Platz
„Von guten Mächten“ wird am Ewigkeitssonntag häufig gesungen. Gesungen wird bei uns meistens die Melodie von Siegfried Fietz aus dem EG plus. Ein paar Ältere kennen aber noch die Melodie aus dem Gesangbuch (EG 65), und die finde ich einfach tröstlich. Ich nehme sie gern für ruhige Instrumentalmomente, zum Abendmahl an besonderen Anlässen zum Beispiel. Ich könnte sie mir aber auch gut als Ausgangs- oder Eingangsstück vorstellen, wenn man es schlicht halten will.
Ein schönes, sehr leichtes Choralvorspiel auf diese alte Melodie gibt es im Dorforgelbüchlein op. 5 von Jonathan Beyer, kostenlos auf IMSLP. Aus demselben Heft passt auch „Nun ruhen alle Wälder“, ein Choral mit einer wirklich schönen Melodie. Wenn du ganz ohne Pedal spielen willst, passen als Vorspiel auch Ego sum resurrectio et vita von Orlande de Lassus und das Pie Jesu von Luigi Cherubini, beide als leichte Orgelfassung kostenlos auf IMSLP.
Mit Solo-Instrument: wenn du jemanden fragen kannst
Am Totensonntag habe ich fast immer Unterstützung von Solo-Instrumentalisten, und da sind schon richtig schöne Sachen entstanden: Klavier und Flöte, Orgel und Flöte, Oboe, und einmal Trompete und Orgel. Da haben wir als Eingangsstück das Largo von Loeillet gespielt. Mit Klavier und Flöte waren es Stücke wie die Gymnopédies oder Gnossiennes von Erik Satie. Diese impressionistischen Klänge kamen extrem gut an. Zum Nachdenken, ganz ohne Handlungsaufforderung. Die Noten zu beiden Stücken findest du unten in der Tabelle.

Ich weiß, dass nicht jede die passenden Leute an der Hand hat. Aber vielleicht gibt es in deiner Gemeinde jemanden, der ein Soloinstrument spielt und sich freut, gefragt zu werden.
Orgelstücke zum Ewigkeitssonntag auf einen Blick
| Stück | Komponist | Besetzung | Schwierigkeit | Noten |
|---|---|---|---|---|
| Von guten Mächten (EG 65) | Jonathan Beyer, Dorforgelbüchlein op. 5 | mit Pedal | sehr leicht | IMSLP, kostenlos |
| Nun ruhen alle Wälder (EG 477) | Jonathan Beyer, Dorforgelbüchlein op. 5 | mit Pedal | sehr leicht | IMSLP, kostenlos |
| Ego sum resurrectio et vita | Orlande de Lassus, Orgelfassung A. de Teuling | manualiter | leicht | IMSLP, kostenlos |
| Pie Jesu | Luigi Cherubini, Bearbeitung E. Pauer | manualiter (auch am Klavier) | leicht | IMSLP, kostenlos |
| Wachet auf, ruft uns die Stimme (EG 147) | Robert Jones, Adeste Fideles | mit Pedal, 2 Manuale | mittel | Stretta* |
| Introduction-Choral aus der Suite gothique | Léon Boëllmann | mit Pedal | mittel (die Introduction-Choral, nicht die ganze Suite) | IMSLP, kostenlos |
| Largo | Loeillet | Trompete + Orgel | – | Stretta* (Stimme in C) |
| Gymnopédies / Gnossiennes | Erik Satie | Klavier + Flöte (Bearbeitung) | – | Stretta* |
Weitere Stücke findest du im Repertoire-Finder unter dem Anlass „Ewigkeitssonntag“.
Fazit
Am Ewigkeitssonntag brauchst du keine große Literatur. Spiel getragen, lass bei der Namensverlesung die Stille stehen, und sprich mit der Pfarrerin oder dem Pfarrer ruhig über die Gestaltung des Gottesdiensts aus deiner musikalischen Perspektive. Viele Gedanken zu Ablauf und Stückauswahl aus meinem Artikel über Orgelmusik für Trauerfeiern gelten an diesem Sonntag ganz ähnlich.
Häufige Fragen zu Orgelstücken am Ewigkeitssonntag
Spielt man während der Namensverlesung Orgel?
Ich spiele dabei bewusst nichts. Eine Glocke, die Kerzen und einfach die Stille tragen diesen Moment besser als Musik. In vielen Gemeinden ist das auch so üblich.
Welche Lieder werden am Ewigkeitssonntag gesungen?
Häufig „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ (EG 147) und „Von guten Mächten“. Welche Lieder genau drankommen, ist von Gemeinde zu Gemeinde verschieden.
Gibt es leichte Orgelstücke zum Ewigkeitssonntag?
Ja. Im Dorforgelbüchlein op. 5 von Jonathan Beyer stehen sehr leichte Vorspiele, unter anderem zu „Von guten Mächten“ (EG 65) und „Nun ruhen alle Wälder“. Die Sätze sind mit Pedal, das Heft gibt es kostenlos auf IMSLP.
Wo finde ich kostenlose Orgelnoten zum Totensonntag?
Auf IMSLP. Dort liegt das Dorforgelbüchlein op. 5 von Jonathan Beyer, und auch die Suite gothique von Léon Boëllmann ist frei verfügbar. Weitere Stücke findest du im Repertoire-Finder unter dem Anlass „Ewigkeitssonntag“.
Wie laut darf die Orgel am Totensonntag sein?
Meistens ruhig und getragen. Wenn du mit Posaunenchor spielst, darf es aber auch mal ruhig und trotzdem kräftig werden, zum Beispiel beim Eingang.

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